Philipp Tiedt startet in Roth

Philipp Tiedt absolvierte am 24.06.2007 seine erste Langdistanz und kam nach einer Gesamtzeit von 10:40:01 h ins Ziel. Damit reiht er sich ein in die Liste der erfolgreichen Ironman-Finisher der Abteilung Triathlon des RSG Böblingen.

Geschrieben von Philipp Tiedt.

Während ich also da lang lief dachte ich kein einziges mal „Warum tust Du Dir diesen Scheiss eigentlich an?!“. Ich glaube ich habe nur ein-zwei mal gesagt „Das ist wohl noch nichts für mich“ und „Wer hat denn so was erfunden“.

Roth sollte meine erste Langdistanz werden. Der Plan war halbwegs gut und sauber durchzukommen. Eine gute Zeit war inbegriffen, einfach nur finishen wollte ich anfangs nicht, ich hatte schon genaue Vorstellung und dafür hatte ich ja auch ein halbes Jahr trainiert. Meine Zeitvorstellung pendelte zwischen 10:10 und 10:30 h, am Ende lief ich mit 10:40 h durchs Ziel, wir kommen gleich dazu.

Der Trainingsplan war eigentlich keiner. Ich habe mir eine Pulsuhr gekauft damit ich professionell damit trainieren kann und das macht ja auch Sinn. In der Praxis hat das bis jetzt nicht funktioniert und ich renne zwar ständig damit durch die Gegend, schau aber nur auf die aktuelle Geschwindigkeit und die Höhenmeter auf dem Rad. Mein Training war im Prinzip nur Masse. Kilometer fressen was das Zeug hält. Dementsprechend gut würde ich meine Grundlagenausdauer einschätzen. Halbmarathons liefen sich gut runter und ich hab auch schnell meine Bestzeiten geknackt. Am Ende des Trainings dann 2 Wochen locker und viel Essen. Das ging gut.

Dann nach Roth. Das ganze ist erstmal unglaublich groß, verglichen mit den olympischen Wettkämpfen die man sonst so macht. Die Anmeldung verlief gut und ich hab mich ein bisschen umgeschaut und das gegnerische Material begutachtet. Das ganze ähnelt ner Freakshow für Motorrad Tuner die ihre aufgemotzten Kisten zeigen. Der einzige Unterschied ist wohl, dass der dicke Typ auf der gepimpten Harley im Ernstfall auch richtig Gas geben kann, wohingegen der Kollege mit Scheibenrad und Zeitfahrhelm das Kotzen kriegt wenn er mit seiner Maschine nen 30er Schnitt fahren soll (Man merkt’s, ich bin neidisch auf das Material der anderen aber ich diskutiere meine Theorie auch gern). Aber es ist wirklich wahr, der gemeine Franzose oder Spanier hat wohl etwas mehr Geld für das Zeugs über, jedenfalls habe ich schon ein paar lustige Blicke abbekommen als ich mein schönes 2100er Trek mit 3er Blatt präsentiert habe.

Auf der Nudelparty wurden die Jungs und Mädels vorgestellt die wohl gewinnen würden, mich hatte man da noch nicht auf der Rechnung. Aber es entstand echt eine tolle Atmosphäre. Der nächste Tag bestand bei mir zum großen Teil aus Streckenbesichtigung, Vorbereitung, und Bike Checkin. So gegen 17 Uhr war ich mein Rad los und schaute mir noch den Kanal an in dem geschwommen wurde. Dannach gings noch zweimal Nudeln essen und dann schlafen. Ich habe sogar recht gut geschlafen und bin dann um 4 Uhr hoch.

Ab da lief alles ein bisschen aufregender ab. Anfahrt zum Schwimmstart und parken. Ich ging dann über die Brücke und überquerte den Kanal, irgendwie hatte ich nicht die Anspannung die ich sonst empfinde bevor ich mich mit 400 Leute um jeden Zentimeter im See kloppe, noch nicht. Mein Start war um 7.05 also hatte ich fast 2 Stunden Zeit den Morgen zu geniessen. Das Wetter war perfekt. Viele der Jungs waren hyper nervoes, einige haben sogar unter Stress geheult, krass! Is aber auch nicht leicht mit dem Frühsport.

Ich ging also zum Bike und ab da war dann auch für mich Achterbahn. Schön den Luftdruck auf den Reifen geprüft und wat is? Platt vorne. Geil! Ich hatte noch nie nen Platten im Triathlon, nie. Und jetzt kam er schon bei Kilometer 0 vorm Schwimmstart. Also noch mal aufpumpen den Kollegen aber der Luftpumpenstand war überbelegt. Ich hab mir dann ne Pumpe von nem anderen Starter geliehen. Das Ventil ging nicht auf, auch gut, ich hab ja Zeit. Kein Schwein hatte ne Zange also mal kurz ausrasten. Na irgendwie gings dann doch. Aufpumpen 8.5 Bar und hoffen dass es hält. Dann habe ich mein Schwimmzeugs und Radzeugs vorbereitet und bin zum Schwimmstart der Profis gegangen. Ich hatte aber noch nen unangenehmes Gefühl. Der Start war atemberaubend. Boellerschuss, Leine hoch, ab gings. Bestimmt 2000 Zuschauer am Kanal und auf der Bruecke. Die Jungs und Maedels machten richtig Dampf im Wasser.

Ich hatte noch 40 Minuten zum Start und bin wieder zum Bike. Das Vorderrad hatte wieder Luft verloren. Also war irgendwas nicht ganz so toll. Der Servicestand war jetzt aber leer. Also Rad ausbauen, hin da, und der nette Herr fängt an meinen Reifen abzuziehen, da seh ich dass ein anderer Athlet Geld zahlt. Scheisse, ich hatte kein Geld. Man musste den Ersatzschlauch zahlen oder selbst einen auftreiben. Ich hatte in meinem Wechselbeutel noch einen, also wieder über den ganzen Platz zum Schwimmstart, Wechselbeutel suchen, aufmachen, Schlauch raus, zurück und einbauen lassen. 15 Minuten vor dem Start war das Rad wieder ganz. Also Neo an und ab zum Start. Als ich das Wasser erreichte hatten wir noch 5 Minuten. Ich hab mich nur kurz eingeschwommen (die 70 Meter zur Startlinie) und in die zweite Reihe gestellt.

Dann noch 30 Sekunden, 10 Sekunden, Knall. Herzstillstand. Ach ja – los schwimmen. Ich schwamm an und hielt mich aus dem Kneul raus indem ich ganz rechts schwamm. Jetzt gings 1.6 Kilometer Fluss runter. Ich kam toll rein und fühlte mich wohl. Das härteste hatte ich, ich war unterwegs. Das Wasser war angenehm warm und die Brille dicht. Ich arbeitete mich von Boje zu Boje und kam langsam in die vordere Gruppe. Nach ungefähr einem Kilometer bin ich auf einzelne Starter der Vorgängergruppe aufgeschwommen. Mein linker Arm war dann aber irgendwie lahm, eine Folge von unzureichender Erwärmung. Dann schwimmt man kurz unter einer Brücke durch die voll ist mit Zuschauern. Man nimmt kurz danach die Wende, schaut hoch und denkt Scheiße, da muss ich wieder hin? Also das gleich Spiel Fluss hoch. Wieder von Boje zu Boje. Irgendwann hatte ich dann schon Blauhelme vor mir (2 Startgruppen vor mir) wurde aber auch von einem Starter aus der Gruppe hinter uns eingeholt. Wir waren grün, vor uns gelb und davor blau, hinter uns weiß. Man schwimmt erst an der Wechselzone vorbei und dann zur 2ten Wende kurz hinter der Brücke die fast einstürzt vor Zuschauern.

Die letzten 200 Meter sind Porno! Alle fangen an Gas zu geben und es geht richtig ab. Ich stieg in einer Masse aus gelben aus bespickt mit einigen Grünlingen aus meiner Gruppe. Ich hatte ein gutes Gefühl was die Zeit anging und schätzte so auf eine Stunde. Da ich ja beim Wettkampf keine Uhr trage verlies ich mich auf mein Gefühl. Dann kommt irgendwann ne Hand die du nimmst und die dich in die Vertikale bringt. Ich habe mich bedankt lief los. Den Neo halb runter und sprinten was das Zeugs hält.

Schnelle Wechsel sind wichtig ? Ich habe meinen Beutel schnell gefunden und bin dann ins Zelt, Neo ganz runter und in den Beutel fummeln. Füße abtrocknen und Socken plus Schuhe an, Brille auf und Startnummer um. Startnummer reist ab. Leck mich! Also Sicherheitsnadel auf Startnummer wieder festmachen und umbinden. Aus dem Zelt raus und ab zum Bike. Helmut war schon da. Schnell aufsetzen, und ab ging die Post. Ich schieb also mein Fahrrad durch den Wechselgarten und unheimlich viele Leute stehen ringsrum, das ist der Hammer. Wie beim öffentlichen Training von Turbine Klein Kleckersdorf. Ich lief über die Zeitnahme und schiebe und schiebe. Irgendwann ruft dann ein Ordner „Aufsteigen“ und dann saß ich drauf und fuhr durchs Spalier aus tausenden schreienden Leuten. Es konnte losgehen.

Anfangs wars echt sehr frisch. Es muss so achte rum gewesen sein und ich hatte ja meine nassen Sachen an. Aber die investierten Euro in den Anzug lohnten sich, der trocknet super schnell sieht dafür ziemlich bescheuert aus. Sowas merkt man wenn Leute dich wiederholt darauf ansprechen. Ich hatte nicht die übliche Atemnot wie bei Kurzdistanzen und konnte also gleich gut drücken. Die Strecke war gesäumt mit Zuschauern, so was hab ich noch nicht erlebt. Die ersten Kilometer zogen sich flach dahin und ich kam gut in Tritt. Roth gilt wohl als schnelle Strecke oder sogar schnellste, ist aber bei weitem nicht flach. Die Wellen zermürben einen ziemlich auch wenn mans erstmal nicht merkt. Ich kann mir die Orte nicht merken die wir auf unserer Hatz passierten. Aber ich erinnere mich an Eckersmühlen. Ein lange schnelle Kurve mit unglaublichem Krach produziert von hunderten Biertrinkender Triathlonexperten im Mittelschwergewicht. Es ist echt klasse mit welcher Begeisterung die Leute an der Strecke stehen, da wird einem recht mulmig ums Herz.

Nach Eckersmühlen wurde es ruhig und die Felder und Wälder kamen. Ich entdeckte hinter einer Kurve meine Freundin, die früh morgens mit meinen Eltern angereist kam, sie mich aber erst nicht, jedenfalls zeigt das Foto nur die Jungs hinter mir. Aber zumindest war ich jetzt nicht mehr allein. Windschatten war verboten und es hielten sich alle daran, zumindest die Jungs um mich herum. Das fand ich wiederum sehr klasse. Bei Kurztriathlon Wettkämpfen gibt es Unmengen an Lutschern. Diese Leute haben Windschatten fahren perfektioniert und haben irgendein Frühwarnsystem gegen Wettkampfrichter. Naja, Roth jedenfalls war diesbezüglich unglaublich fair. Ich fand schnell eine Gruppe die ungefähr mein Tempo hatte und es ergab sich ein ziemlich ehrgeiziges überholen und überholt werden. Das treibt das Tempo hoch und macht Spaß.

Mit dabei waren Jorge (Spanier wohl), der in einem unglaublich irrwitzigem Wiegetritt bei 40 kmh die Bodenwellen nahm. Moritz mit der Nummer 1266 war auch dabei und wir trafen uns immer wieder. Er peilte so knapp unter 05:30 h an und ich orientierte mich daran.

Wir kamen durch mehrere Ortschaften nach Greding, hier gibt es die erste Bergwertung bespickt mit hunderten von Zuschauern. Es geht ziemlich lang recht hart bergauf. Ich wurde von allen am Anfang kassiert (dafür bin sonst ich zuständig). Die meisten fuhren angefeuert von den Zuschauern, den Berg sehr sehr schnell an und platzen auf der Hälfte. Ich bin locker hoch und hab trotz moderatem Tempos die Jungs alle wieder eingesammelt, das fand ich angenehm und ich fühlte mich sehr erwachsen, vor allem weil ich mich sonst immer ums Erbrechen bei solchen Bergsprints beteilige. Von Greding gings zurück nach Hipolstein. Viel Gegenwind der ziemlich Kraft gekostet hat. Das Highlight ist der Solarer Berg ca. 1 km lang. Man fährt mit ca 50 in den Ort und hart in einen Anstieg nach einer Kurve. Die Strasse ist mit Gittern abgesperrt und es gibt tausende von Zuschauern, die wie bei einer Bergankunft für Stimmung sorgen. Nach ein paar hundert Metern sind die Absperrgitter weg und vor dir liegt ein Meer aus Fahnen, Knattern, Mützen und lauter Köpfen. Dann öffnet sich kurz ein Spalt durch den du den kompletten Berg hochprügelst. Links und rechts wirst du fast umgeschrien. Ich musste kurz schlucken.

Wenn du oben bist ist erstmal Schluss mit lustig jetzt wird’s eintönig und du hast die erste Runde geschafft. 90 km Klappe, die 2te. Ich hatte noch genügend Motivation und drückte gut. Doch ich merkte auch dass ich ziemlich schnell unterwegs war auf der ersten Runde. In der 2ten Runde habe ich mich von Kilometerschild zu Kilometerschild (Nur die 10er werden angezeigt) bemüht. Die Stimmung war die gleiche, nur ging es nicht mehr ganz so leicht. Ich lies ein paar Jungs fahren und war später sehr verwundert als sie wieder auftauchten. Bei Kilometer hundert fuhr ich an einem Athleten vorbei der nur einen Arm hatte. Das fand ich ziemlich beeindruckend und ich feuerte ihn an. Ansonsten gibt es nichts weiter zu berichten, außer dass ich kurz abstieg und Wassergelassen habe, danach waren meine Leidensgenossen auf eine Minute weg und ich fuhr die letzten 30 Kilometer in anderer Besetzung zurück. Ich hatte mich von der Zeit verschätzt und dachte es kommen noch ein paar Kilometer, da sagte mir ein Athlet es sind nur noch 3. Ich war froh, und fing an mich locker zu machen, aufzurichten und leicht zu treten.

Dann flog ich in die Wechselzone ein. Mein Rad wurde mir abgenommen und ich bekam den Laufbeutel. Ganz wichtig, Mütze zuerst, dann Schuhe an und dann wär ich am liebsten noch kurz sitzen geblieben. Aber hoch gings und ab. Ich kannte meine Radzeit nicht, wusste aber, dass ich wohl schneller als 05:30 h war.

Irgendwie freute ich mich auf den Marathon und als ich aus dem Zelt lief waren meine Eltern am Start und feuerten mich an. Es war irgendwie die ganze Zeit höllisch laut. Wenn ich so reflektiere ist das eine Riesenmotivation. Ich kann aber nicht nachvollziehen, dass manche Athleten hier ihre innere Ruhe und zu sich selbst finden wenn einem ständig ins Ohr gebrüllt wird. Ich glaub das habe ich vermisst. Jedenfalls tippelte ich los, raus aus der Wechselzone und ab auf die Strecke. Es waren noch wenig Leute auf der Strecke was für mich ein Zeichen davon war dass ich ziemlich weit vorne lag (für meine Verhältnisse). Ich schätze zu diesem Zeitpunkt so zwischen Position 150 und 200. Wenn man bedenkt, dass 1000 Leute vor mir gestartet sind war das gar nicht so schlecht.

Naja ich hatte irgendwie ein gutes Gefühl und vor allem keine Angst vor den 42 Kilometern. Ich hab langsam gemacht. Vor 2 Jahren bin ich immer zu schnell angelaufen und lag dann irgendwann in der Ecke weil alles gekrampft hat. In den Vorbereitungswettkämpfen bin ich die ersten 2 Kilometer jetzt immer langsam angelaufen und wurde überholt. Danach kam ich dann aber gut rein und konnte die meisten wieder fangen. So ähnlich liefs auch hier. 4 oder 5 sind an mir vorbei, ich bin locker weiter und fand dann irgendwann den richtigen Schritt und holte wieder ein.

Nach der ersten Verpflegung wusste ich wie lang 2 Kilometer sind. Dann gings auf die endlose Gerade am Kanal und mein Ironman begann. Irgendwie war mein Willen gebrochen, und ich fühlte mich ziemlich leer im Kopf. Meine Strategie von Verpflegungsstation zur nächsten zu kämpfen war für mich plausibel, da aber nur jeweils 2 Kilometer dazwischen lagen wars wohl ein zu niedrig gestecktes Ziel, jedenfalls merkte ich, dass ich es mir zu einfach gemacht habe, hatte aber auch nicht mehr den Bock richtig aufzudrehen. Das ist der erste wichtige Eindruck den ich gewinnen konnte, ich war mental ziemlich im Arsch (Entschuldigung) und hatte keine Lust auf Kampf. Mir hats trotzdem unheimlichen Spaß gemacht zu laufen.

Ich durchmixte das ganze mit Gehen. Und habe nach 7 Kilometern gemerkt dass ich kaum noch Kraft hatte. Im Nachhinein mache ich zwei Sachen dafür verantwortlich. Erstens meine Essstrategie ist nicht aufgegangen. Ich hatte vor ab Kilometer 130 auf dem Rad, Gel zu essen. Damit ich wieder Kraft bekomme und gut durchziehen kann. Ich hatte Gel und alles da. Nur hatte ich Schiss, weil ich es nie richtig getestet hatte und Leute sagen, dass es manchmal unverträglich ist. Also hab ich meine Riegel gefuttert und am Ende nix mehr. Ich weis nicht warum ichs nicht einfach gegessen habe um zu schauen wie es geht, naja ich denke das war ein großer Fehler. Die zweite Erkenntnis ist, dass ich auf dem Rad zu sehr gedrückt habe und dadurch auch sehr ausgebrannt war. Nun gut all das half ja nix, ich bin gelaufen. Irgendwann kam dann die Unterführung Richtung Wendepunkt eins. Ich hatte 10 Kilometer geschafft.

Ein freundlicher Helfer sah mich an und meinte „Man du hast aber noch nicht viel, 30 musst du noch, oh oh“. Ich hab ihm gesagt, das wird schon und bin weiter. Am ersten Wendepunkt angekommen bin ich an einer Gaststätte vorbei und hatte 50 Zentimeter links von mir ein Mordsschnitzel liegen mit Pommes und Weißbier. Ich erfand Schimpfwörter die bestimmt nen 5er ins Phrasenschwein bringen. Holla die Waldfee. Ich kam also in einen ziemlich komischen Trott und die Athleten hinter mir fingen an mich zu überholen. Die Strecke füllte sich. Ich beneidete die, die echt noch so gut unterwegs waren. Ich kämpfte mich zurück am Kanal und hatte die ersten 20 hinter mir. Meine Eltern waren da und heizten noch mal ein.

Patricia lief nun neben mir und wollte ein paar Kilometer dabei sein. Daraus wurden 20. Ich bin also los auf den letzten Halbmarathon in diesem Monat, immer wieder angefeuert von den vielen Zuschauern. Es ging Kanalabwärts. Nach 5 Kilometern dann rechts ab. Durch einen weiteren Stimmungspunkt. Ich musste immer öfter auch mal gehen. Das tat gut, aber es lief sich umso schwerer wieder an. Ich verfluchte den Erfinder des Holzkohlegrills und disqualifizierte alle Läufer die mich überholten. Leider zählte das nicht. Es ging weiter durch einen netten Ort mit gerade Straße. Wenn ich eins an der Laufstrecke mag, ist es dass sie so flach ist. Wenn ich eins hasse ist es, dass sie so unheimlich lange geradeaus geht. Der letzte Wendepunkt war für mich sehr emotional, jetzt ging es nur noch zurück. 13 Kilometer. Irgendwie bin ich da durch, laufend, gehend oder laufend gehend.

Aber jetzt wandelte sich meine Stimmung irgendwie. Ich bemitleidete die Läufer die mir jetzt entgegen kamen, ich war schon wieder auf dem Weg zurück, die noch nicht. Ich hätte um nichts in der Welt mit denen getauscht. Ich verdrängte einfach den Wunsch flüssig durch den Marathon zu kommen und gab mich meiner Undiszipliniertheit hin in dem ich immer wieder ein Stück ging. Die letzten Kilometer waren dann toll. Ich tippelte so vor mich hin, musste aber den letzten Berg gehen (zum Glück mit wenigen Zuschauern).

Dann hörte ich den Triathlongarten und wollte dahin, los gings, laufen, 200 Meter vorm Ziel meine Eltern und Patricia. In den Zielgarten angefeuert von tausenden Zuschauern und dann durch das Ziel bei 10:40:01 blieb die Uhr stehen. Fertig war das Ding. Die Kuh war vom Eis. Ich sah aus wie der Tod auf Latschen in einem ziemlich blöden Triathlonanzug. Aber mir wars egal. Ich war stolz auf das Schwimmen und die geile Radzeit und machte mir nix aus dem Marathon.

 

War Gut!

 

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Herbert

RSG Mitglied, Radtreff Organisator und Website-Admin bei RSG-Böblingen
Schwabe in den Besten Jahren 🙂

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