Vorgesehen war schon seit längerer Zeit, ein Frühjahrstrainingslager für die gesamte BSA durchzuführen. Nachdem für uns Piloten dieses Jahr das Trainingslager auf Mallorca ausgefallen ist, lag es nahe, dies umzusetzen. Nach ein paar Besprechungen stand die Planung und so ging es vom 27.04. – 30.04.2019 für 4 Tage nach Riedlingen (Oberschwaben) und Umgebung.

Tag 1

Anreise mit 2 PKWs und einem Anhänger, beladen mit 7 Personen, 3 Tandems und einem Rennrad. Reisezeit ca. 2,5 Stunden. Ankunft Gasthaus Hirsch in Riedlingen um 10:30 Uhr. Nach Zimmerbezug (Zimmer sind einfach und für das alte Haus in gutem Zustand) und raschem Umziehen starteten wir zu unserer ersten Tour im Sprühregen. Da es für den Anfang eine Flachetappe sein sollte, wurde in Richtung Sigmaringen gestrampelt. Wir bogen in den Donauradweg ein (so glaubten wir) und es blies uns sofort ein kräftiger Gegenwind ins Gesicht. Nun kam hinzu, dass der Weg, den wir als Donau-radweg hielten, sich immer mehr zum Trampelpfad für Wanderer entpuppte. Der Radweg war teilweise auch gesperrt, sodass Umleitungen ausgeschildert waren. Nach Querung einer Brücke und gefühlt einer Ewigkeit auf diesem groben Schotter, hatten wir wieder Asphalt unter den Rädern. In Binzwangen gelang es auf den richtigen Donauradweg einzuschwenken und der Regen hörte Gottseidank auf. Die Oberfläche des Weges wurde nun besser, aber der Wind blies weiter. An der Heuneburg (Herbertringen) und an einigen interessanten Kirchen vorbei erreichten wir Mengen. Einigkeit bestand, dass eine Kaffee- und Aufwärmpause eingelegt wird. Dies geschah in der Bäckerei/Café Bochtler. Hier wollten alle etwas Warmes zu sich nehmen. Es gab überbackene Seelen und Bauerntoast, lecker. Nach der Aufwärmphase konnte es in Richtung Sigmaringen weitergehen. Über Scheer mit einem interessanten Schloss und schönen Auen standen wir nach nicht allzu langer Zeit auf dem Platz vor dem Rathaus in Sigmaringen (bei Sonnenschein). Kurz vor dem Rathaus war am Tandem von Frank und Petra ein metallischer Knall zu hören. Pilot Frank vermutete, dass eine Speiche gebrochen war. Auf dem Rathausplatz angekommen untersuchte man das Vorderrad und tatsächlich, eine Speiche war ab. Die beiden Piloten Dietmar und Frank glichen die fehlende Speiche so gut es ging aus, dann hieß es: achtsam weiterfahren! Die Gruppe konnte sich nun entscheiden, ob sie die Stadt nebst den Sehenswürdigkeiten anschauen oder noch einen Kaffee trinken gehen wollten. Die Entscheidung kam schnell und klar, KAFFEE. Da ein Café gleich in der Nähe war, wurden die Räder zusammengeschlossen, dann ging`s ins Café und wir bekamen im Obergeschoss noch einen Tisch für uns gemeinsam. Dort starrte uns von der gegenüberliegenden Straßenseite ein grimmiger Ritter an. Keiner wollte einen Kuchen oder etwas Ähnliches zu sich nehmen, nur Getränke, auch nicht als der Kellner die Spezialitäten des Café Seelos erwähnte, darunter ein Rhabarberstrudel. Erst als Pilot Frank einen Strudel mit Vanillesauce und mehreren Kuchengabeln bestellte, kamen plötzlich noch 2 Besteller dazu. Nach dem ersten Bissen war klar, der Strudel verdient das Prädikat „Sehr, sehr lecker“. Auch wenn es im Café schön und lecker war, musste der Rückweg angetreten werden. Doch vor der Rückfahrt war das obligatorische Gruppenfoto vor dem Schloss erforderlich. Da auf der Aufnahme alle Teilnehmer zu sehen sein sollten, suchten wir nach einer freundlichen Person, die das Foto macht. Aber wie sollte es anders sein: In diesem Augenblick waren alle Passanten verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt. Doch es kamen 4 Personen auf uns zu und Pilot Frank machte sich mit gespielt grimmigem Gesicht auf die Flanierer zu. Diese mussten bei dem Anblick lachen und fragten, „Sollen wir ein Foto machen?“ Gesagt getan und so konnte dann zurückgeradelt werden. Dies ging mit dem vorher erwähnten Gegenwind, der nun zum Rückenwind wurde, zügig voran. Ein Wermutstropfen traf uns im Sinne von Regen kurz vor Riedlingen wieder, worauf wir Riedlingen in Regenlingen umtauften. Auch schafften wir es, den korrekten Donauradweg nach „Regenlingen“ zu finden. Nicht ganz trocken und ein bisschen ausgekühlt wurden die Duschen gestürmt. Zum Abendessen blieben wir im Hirsch. Während auf das Essen gewartet wurde, machten wir die Planung für die kommenden 3 Tage. Da das Wetter für den nächsten Tag nicht so toll vorausgesagt war und für das Tandem eine neue Speiche benötigt wurde, die man ja erst am Montag kaufen konnte, entschloss die Gruppe sich für einen Wandertag. Es wurde abgestimmte, auf den Bussen, dem heiligen Berg Oberschwabens, zu wandern. Da am Montag das Wetter trocken bleiben sollte, plante man für diesen Tag die Radtour nach Friedrichshafen und mit dem Zug zurück. Zum Abschluss, dem Dienstag, war das Ziel Blaubeuren und ebenfalls zurück mit dem Zug.

„Der Mensch denkt und Herrgott lenkt“

Die Karte im Hirsch ist überschaubar, doch alles war sehr lecker und empfehlenswert. Trotz teilweise anstrengenden 73 km/251 Hm nach Sigmaringen war die Stimmung bis spät sehr gut und so gingen wir gemeinsam zur vorgerückten Stunde zu Bett.

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Tag 2

Nach dem Frühstück und Reservieren eines Tisches in der Gaststätte Schönblick in Offingen (am Fuße des Berges Bussen, 767m hoch) konnte die Wanderung zum Bussen losgehen; das Wetter war trocken aber kühl. Wir schauten noch kurz beim ehemaligen Gasthaus Mohren (Froschkuttelessen mit Rutsche an Fasching) vorbei, um zu erkennen, dass dieser zu Wohnungen umgebaut wird. Weiter ging es zur Donau und rüber zum Vöhringer Hof. Dort bogen wir falsch ab, um nach einer kurzen Orientierung wieder auf den richtigen Weg nach Unlingen zu gelangen. Ab Unlingen konnte man sich nicht mehr verlaufen, die Wanderschilder machten dies unmöglich. Aus Unlingen heraus stieg die Straße zum Bussen immer mehr an und ab Ortsende wurde es richtig steil. Der eine oder andere musste es langsam angehen. Ab dem Waldrand war es nicht mehr ganz so steil und wir verließen hier die Fahrstraße und folgten dem Waldlehrpfad. Dieser Pfad führte von einem Baum mit Namens-schild zum anderen und nach einiger Zeit auch zu einem Wasserspiel (Wasserrad). Nun kamen immer wieder kleine und auch ziemlich steile Passagen, die zum Schluss über eine Treppe zum Ziel, dem Bussen, führten. Nach Besichtigung der Wallfahrtskirche und Rundblick nebst Fotos musste die Truppe sich aufmachen, um das Gasthaus Schönblick zu erreichen, denn es zeichnete sich am Himmel ein Unwetter ab. Daher wurde darauf gedrängt, sich zu beeilen und nach dem Bestaunen eines Tandemrades für 7 Personen (das bereits rostete) standen wir auch schon vor dem Gasthaus Schönblick. Die Getränke waren bestellt, als es draußen stark zu schneien begann und solange wir unser Essen einnahmen, ging der Schneesturm weiter. Zur Standardessenskarte gab es noch eine „Bärlauchkarte“, an der wir uns gütlich taten (net gscholda isch globt gnuag), nein alles sehr lecker. Na, da war doch noch was? Ja, genau der Weg zurück. Doch wir hatten mehr Glück als Verstand. Kurz vor unserem Aufbruch riss der Himmel seine „Türen“ auf und die Sonne strahlte vom blauen Himmel. Wir gingen nicht mehr den gleichen Weg zurück. So wanderte es sich gleich viel leichter und da es nun meist bergab ging, waren alle guter Laune. In der nächste Ortschaft Göffingen musste ein Anstieg aus dem Ort heraus bezwungen werden. Danach folgte man dem Wanderweg nach Riedlingen zurück. (ca. 21 Km, 358 Hm)

An diesem Abend wollten 2 Radler unserer Gruppe zu einem spanischen Lokal, um Tapas zu essen. Sie überzeugten die anderen Radler und dies bereute keiner, denn der Name ist Programm. Außer den 2 Radlern wollten die anderen Personen eh nichts Großes essen und so beratschlagten die „Spanienerfahrenen“, welche Tapas bestellen werden sollten/müssten. Pan con Tomatos, Datteln im Speckmantel, Tiefseegarnelen und Jamon Serano. SAU LECKER. Ein super Abend.

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Tag 3

Frühstücken und fertigmachen für die Tour nach Friedrichshafen. Zunächst wurde die gebrochene Speiche ersetzt. Das Wetter spielte mit, denn es war trocken. Der Weg führte wiederum zur Donau, wo zunächst dem Wanderweg vom Vortag gefolgt wurde. In Unlingen hielten wir uns an den Lauf der Kanzach (ein Bach). Dies war bis Hailtingen nicht schwer, doch dort war die Beschilderung irre-führend und so kam es zu einer Extraschleife. In Dürmentingen musste eine Baustelle „befahren“ werden und schon kam es zur nächsten Extrarunde. Doch dafür pedalierten wir nun auf einer ehemaligen Bahntrasse, die gleichmäßig anstieg, was unserem Fortkommen entgegen kam. In Kanzach endete die Bahnstrecke und wir bogen in die Straße nach Bad Buchau über Moosburg ein. Weiter führte der Weg über Bad Schussenried, Otterswang und nach Aulendorf; hier wurde Mittagspause einlegt. Dies geschah in der Bäckerei Leser, die tolle Gerichte und Leckereien hatte. Trotz der Bitte, unsere Blindengruppe zu bedienen, wurden wir kurz und knapp auf die Selbst-bedienung verwiesen (die beiden Damen hinter dem Tresen waren ja so beschäftigt, denn Selbstbedienung muss Selbstbedienung bleiben). Da konnte auch die freundliche Erläuterung, wie der Weg nach Durlesbach weitergeht, diese Scharte nicht ausbügeln. Während der Pause hatte es kräftig geregnet und danach blieb ein Tröpfeln bis leichter Sprühregen, der uns bis Ravensburg begleitete. Gefolgt wurde dem Weg über Reute nach Durlesbach. Am schwäbischen Eisenbahn-denkmal (Bauer mit seinem Geißbock) angekommen, war Stopp, um es zu bestaunen. Da fingen ein paar von uns an, das Lied von der „Schwäb`scha Eisabahna“ anzustimmen. Natürlich gaben sie nur den Refrain zum Besten, doch Abhilfe gab es, da der komplette Text im Schaukasten aushing. Nun sangen alle so schön falsch das Lied von der Schwäb`scha Eisabahna (das auf Video dokumentiert wurde) und nachdem alle Strophen gesungen waren, wurde das Denkmal unter die Hände genommen und Geißbock, Bauer, Konduktor und „Eisabahna“ genau erfühlt. Weitergestrampelt wurde über Mochenwangen, Sulpach, Baundt und Baienfurt nach Weingarten. In Weingarten beschlossen wir noch eine Pause zu machen, da es aufgrund des Regens abgekühlt hatte. Einigkeit bestand, nur noch bis Ravensburg zu radeln und mit dem Zug nach Riedlingen zurückzufahren. In der aufgesuchten Bäckerei Hamma war die Bedienung sehr freundlich, obwohl es auch nur ein SB-Café war. Da das Café gut besucht und die junge Dame hinterm Tresen alleine war, wäre eine Bitte wie in der Bäckerei Leser unangemessen gewesen. Trotz des vorgerückten Nachmittags gab es doch für jeden noch eine Leckerei, mit der man sich verwöhnen konnte und endlich große Kaffeetassen, die diesen Namen zu Recht tragen dürfen. Kurz nach der Weiterfahrt in Richtung Ravensburg war nicht klar, wie wir wieder zum Radweg zurückkamen. Eine von uns angesprochene nette Passantin gab den Tipp, nicht an der Hauptstraße entlang, sondern an einer Schule vorbei parallel zur Hauptstraße zu fahren. Dies befolgten wir und kamen dadurch mit kaum Verkehr und wenig Ampeln nach Ravensburg. Die Richtung zum Bahnhof musste ebenfalls erfragt werden, da die Beschilderung, gelinde gesagt, idiotisch ist. Der eine Pfeil zeigt an, dass man die Straße nach unten fahren soll, der nächste Wegweiser zeigte an, dass wir wieder zurück müssten, echt klasse. Nach einer Fahrt über eine stark befahrene Straße kamen wir mit ein paar Haken am Bahnhof an. Der sehr freundliche Bahnmitarbeiter druckte eine Zugverbindung aus, die uns mit unseren Tandems nicht in Stress brachte, als wir zurückfuhren. Bis zur Abfahrt war noch 1 Stunde Zeit. Wir waren uns alle einig, dass nach 20 Uhr keiner mehr Essen gehen wollte, weshalb wir in das direkt dem Bahnhof gegenüberliegende Burger und Steakhaus „MUH“ gingen. Bestellt wurden Flammkuchen und Getränke nach Gusto. Dann war es auch schon so weit, wir mussten auf den Zug. Nach dem ersten Zustieg, der wegen des Einladens der Tandems nicht so zügig ablief, planten wir unsere Zugwechsel, da wir 2x umsteigen mussten, im Voraus und so kamen wir recht ereignislos in Riedlingen an. Zurück in unserer Unterkunft trafen wir uns später in einer Kneipe gegenüber, da der Hirsch Ruhetag hatte, um noch einen Schlummertrunk zu uns zu nehmen. Wir ließen den Tag Revue passieren und sprachen den nächsten Tag nochmal durch. (ca. 75Km, 482 Hm)

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Tag 4

Nachdem es regnete und nur 7 Grad hatte, planten wir unseren letzten Tag um. Später sollte das Wetter laut Vorhersage besser werden. Deshalb wir beschlossen, mit den Autos nebst Anhänger sowie dem gesamten Gepäck nach Blaubeuren zu fahren und dort den Blautopf zu besichtigen. Sollte das Wetter besser werden, war geplant, mit den Rädern von Blaubeuren nach Ulm zu radeln. Also PKWs und Anhänger beladen und Abfahrt. In Blaubeuren gab es viele Parkplätze, aber keinen, auf dem man ein „Gespann“ abstellen konnte (Jaaa, eine Möglichkeit gab es, einen Parkplatz für Wohnmobile und da wollten man 10,– € für die Benutzung. Nein). So wurde der Anhänger abgehängt und wir belegten damit 2 Parkplätze, egal. Jetzt ging der Marsch zum Blautopf und dort wurde das blaue Wasser bewundert. Selbstverständlich war ein Fotoshooting mit der Gruppe mit Hintergrund Blautopf und Hammerschmiede erforderlich. Bestaunt wurde die Klosteranlage und danach die Altstad.t Hierbei fanden wir das Café-Confiserie Kuhn und kehrten ein. Dies kam gelegen, da alle Hunger hatten. Jeder fand etwas und ein Nachtisch in Form eines Kuchens durfte nicht ausgelassen werden. Wie erwähnt ist es auch eine Confiserie und da lag es nahe, ein paar Leckereien mit zunehmen. Besichtigt wurde noch die restliche Altstadt und als wir zu unseren Fahrzeugen zurückkamen, hatte es seit längerer Zeit nicht mehr geregnet, doch die Temperatur war immer noch bei 7 Grad. So wurde die Rückfahrt nach Böblingen angetreten. Leider sind die Radlertage zu schnell vorübergegangen, aber alles hat einmal ein Ende. Noch eine dicke Umarmung an der S-Bahnhalte-stelle Hulb in Böblingen und das waren unsere ersten Saisonauftakttage in Riedlingen.

Mein Fazit: (Pilot Frank)

Auf das Wetter hat man keinen Einfluss, doch auf die gute Laune. Dadurch wurde der Gruppen-zusammenhalt noch weiter vertieft. Besonders toll fand ich die Zeit während des Tapasessens, wo Genuss und eine tolle Stimmung sich zu einem unvergesslichen Abend entwickelt hatten, obwohl dies bei der Ankunft von der Wanderung nicht vorhersehbar war. Danke an Euch meine BSAler.

Anmerkung von Waltraud:

Nach Ende des Tapas-Essens hat mir die Bedienung gesagt: „Ihr seid aber eine tolle Gruppe“. Ist das nicht ein Super-Kompliment für unsere „Radlergruppe“?

Track Tag 1

Gesamtstrecke: 69.89 km
Gesamtanstieg: 467 m
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Track Tag 2

Gesamtstrecke: 19.27 km
Gesamtanstieg: 473 m
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Track Tag 3

Gesamtstrecke: 74.46 km
Gesamtanstieg: 756 m
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RSG Böblingen Blinden- und Sehbehinderten Abteilung
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